Die Alamillobrücke

Sevilla, Spanien




© Bernd Nebel

Name: Puente del Alamillo
Ort: Sevilla
Land: Spanien
Konstruktionstyp: Schrägseilbrücke
Fertigstellung: 1992
Ingenieur: Santiago Calatrava
Verkehrsart: Auto
Material: Stahl/Spannbeton
Gesamtlänge: 250 m
Größte Spannweite: 200 m
Lichte Höhe: 10 m

Anlässlich der Weltausstellung "EXPO 1992" wurde Sevilla um eine Reihe von modernen Bauwerken bereichert, darunter auch Santiago Calatravas spektakuläre Alamillobrücke

Ursprünglich entstanden die meisten Brücken als Einzelleistungen mehr oder weniger gut ausgebildeter Baumeister, die häufig Autodidakten waren und von der ersten Planung bis zur Bauleitung alles selbst in der Hand hatten. Selbstverständlich oblag ihnen auch die ästhetische Gestaltung der Bauwerke, die aber vor den technischen und finanziellen Problemen meist in den Hintergrund traten.


Der Architekt und Ingenieur Santiago Calatrava

Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde zunehmend zwischen den Berufsständen "Bauingenieur" und "Architekt" unterschieden. Deren Aufgabenverteilung richtet sich meist nach dem konkreten
Santiago Calatrava
Santiago Calatrava wurde am 28. Juli 1951 in der Nähe von Valencia geboren. Er studierte zunächst in Valencia Architektur und anschließend in Zürich Bauingenieurwesen.

1981 eröffnete er ein Ingenieurbüro in Zürich und einige Jahre später Zweigniederlassungen in Paris und Valencia. Er beschäftigt sich mit Bauwerken in allen Bereichen, kehrt aber immer wieder zum Brückenbau zurück.

Zu seinen wichtigsten Brücken gehören neben der Alamillobrücke:
  • Bach de Roda Brücke, Barcelona (1987)
  • Gentilbrücke, Paris (1988)
  • Médocbrücke, Bordeaux (1991)
  • Lusitaniabrücke, Mérida (1991)
  • Kronprinzenbrücke, Berlin (1996)
  • Piazzale Roma Brücke, Venedig (2005)
Weitere wichtige Bauwerke Calatravas:
  • Erweiterung des Bahnhofs Stadelhofen, Zürich (1990)
  • U-Bahn-Station Spandau, Berlin (1990)
  • Jahn-Sportpark, Berlin (1994)
  • Orientbahnhof Lissabon (1997)
  • Hochhaus Turning Torso, Malmö (2003)
  • Olympiastadion, Athen (2004)
Calatrava beteiligte sich auch an der Ausschreibung für die Umgestaltung des Reichstagsgebäudes in Berlin und errang dabei den ersten Preis. Obwohl sein Entwurf die gewünschte Kuppel enthielt, entschied man sich aber dazu, dem englischen Architekten Sir Norman Foster den Auftrag zu erteilen. Dessen Vorschlag hatte zunächst keine Kuppel enthalten und wurde erst nachträglich entsprechend modifiziert.
Projekt, wobei besonders bei städtebaulich relevanten Brücken der Schwerpunkt häufig beim Architekten liegt. Wenn es um den Bau von großen Brücken über Täler oder Meeresarme geht, stehen aber meistens statische Probleme im Vordergrund, die sich teilweise in Grenzbereichen der Physik abspielen. Obwohl große Brücken ganze Landschafts- oder Städtebilder beherrschen können, legt daher heute meistens der Ingenieur die grundlegenden Abmessungen des Bauwerks fest: Spannweiten, Pfeilerhöhen, Fundament- und Tragwerksabmessungen, Seildurchmesser usw. Der Architekt versucht dann unter diesen Randbedingungen ein ansprechendes Bauwerk zu gestalten, das sich optimal in die jeweilige Umgebung einfügt.

Es gab aber zu allen Zeiten Brückenbauer, die sich nicht so ohne weiteres in diese Kategorien einordnen ließen und die den Anspruch hatten, beide Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen. Zu diesen besonderen Ingenieuren zählt der Spanier Santiago Calatrava, der zunächst in Valencia das Architekturstudium absolvierte und anschließend an der ETH in Zürich Bauingenieur wurde. Obwohl er auch Aufträge für Bahnhöfe, Hochhäuser oder Sportanlagen annimmt, kehrt er doch immer wieder zu seiner eigentlichen Leidenschaft zurück: dem Brückenbau.


Die EXPO´92 in Sevilla

Im Vorfeld der `Expo 92´ in Sevilla erhielt Calatrava den Auftrag, die Halbinsel Cartuja, auf der sich das Ausstellungsgelände und das Olympiazentrum befinden, durch eine Autobahnbrücke über den Meandro de San Jerónimo zu erschließen. Da bei einem solchen Projekt natürlich ästhetische Gesichtspunkte eine ganz besondere Rolle spielen, hatte Calatrava die Freiheit eine Schrägseilbrücke zu schaffen, wie es auf der Welt keine zweite gibt.

Calatrava lässt sich bei seinen Projekten häufig durch die Natur inspirieren und so entstanden die ersten Skizzen für die Alamillobrücke nach dem Vorbild fliegender Kraniche. Die Brücke wurde in der Zeit von 1987-1992 gebaut und besteht im wesentlichen aus Stahl und Spannbeton. Das beherrschende, weit sichtbare Merkmal der Brücke ist der 142 m hohe weiße Pylon, der in einem Winkel von 58° (das entspricht exakt dem Neigungswinkel der Cheopspyramide) schräg nach hinten, von der Brücke weg, geneigt ist.
26 Kabel verbinden Pylon und Fahrbahn
© Bernd Nebel

Die insgesamt 250 m lange Fahrbahn ist mit 13 Schrägseilpaaren an dem Pylon befestigt und überbrückt so eine freie Spannweite von 200 m. Sicherlich gibt es noch andere Schrägseilbrücken, die von einem einzigen, nach hinten geneigten Pylonen gehalten werden, wie z.B. die Erasmusbrücke in Rotterdam oder die Donaubrücke in Bratislava. Die Alamillobrücke ist aber die einzige Brücke der Welt, deren Pylon über keinerlei Rückverankerungen verfügt. Die Fahrbahn wird ausschließlich vom Eigengewicht des Pylons im Gleichgewicht gehalten, der sich bei starker Belastung der Brücke leicht aufrichtet.


Anschaulicher Kräfteverlauf im Bauwerk

Von weitem wirkt die Brücke wie eine auf dem Rücken liegende Harfe und man hat das Gefühl der Pylon müsse jeden Moment umkippen. Auf diese Weise wird der Kräfteverlauf im Bauwerk praktisch sichtbar und die statische Wirkungsweise der Konstruktion erschließt sich auch technisch unversierten Betrachtern.

Der Pylon wurde aus Stahlsegmenten zusammengeschweißt und anschließend mit Beton verfüllt, damit das statisch erforderliche Gewicht erreicht werden konnte. Im Inneren ist aber ein Kontrollschacht vorhanden, der bis zur Spitze des Pylons führt. Calatrava wollte die Brücke ursprünglich im freien Vorbau errichten, was aber von den Auftraggebern abgelehnt wurde. Daher musste in den trockenen Sommermonaten ein herkömmliches Leergerüst im Flussbett errichtet werden.

Eigentlich hatte Calatravas Projekt eine noch größere Dimension, denn er wollte in einer Entfernung von ca. 1,5 km -also in Sichtweite der Alamillobrücke- ein spiegelbildlich gleiches Bauwerk über den Rio Guadalquivir errichten. Die beiden Schrägseilbrücken sollten in ihrer Gesamtwirkung ein riesiges "Tor zum spanischen Norden" symbolisieren. Aus Kostengründen wurde das zweite Bauwerk aber von der Regierung der Provinz Andalusien abgelehnt. Calatrava erhielt im Zusammenhang mit der EXPO aber noch einen weiteren Brückenauftrag in Sevilla.


Wahrzeichen des modernen Sevilla

Die Fahrbahn verfügt in der Mitte über einen 3,75 m breiten höher gelegenen Rad/Gehweg zwischen den Fahrbahnen, eine Idee, die
Eine 4-spurige Autobahn und ein Rad-/Gehweg führen über die Brücke
© Bernd Nebel
bereits bei der Brooklyn Bridge in New York verwirklicht wurde. War die Kathedrale von Sevilla mit dem Grab von Christoph Columbus und dem aus maurischer Zeit stammenden Giralda-Turm das klassische Wahrzeichen Sevillas, dann ist der von weitem sichtbare Pylon der Alamillobrücke heute das Symbol des modernen, zukunftsorientierten Sevilla. Die Alamillobrücke ist aber mehr als nur ein zweckmäßiges Bauwerk, sie ist auch ein Kunstwerk.

Calatrava festigte mit der Alamillobrücke seinen internationalen Ruf als Architekt und Ingenieur für außergewöhnliche Bauwerke, insbesondere Brücken. Inzwischen hat er weltweit rund 60 Brücken gebaut, darunter z.B. auch die Kronprinzenbrücke in Berlin/Tiergarten.

Wenn es darum geht irgendwo auf der Welt eine ganz besondere Brücke zu bauen, dann erhält häufig Calatrava den Auftrag. So hat er 2008 mit der "Ponte della Costituzione" die vierte Brücke über den Canale Grande in Venedig fertig gestellt. Immerhin über 150 Jahre lang gab es nur drei Brücken über den Kanal.






Quellen:
Bernhard Graf: "Brücken, die die Welt verbinden"
Diverse Internetseiten

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© Dipl.Ing. Bernd Nebel