Kurzinfos über Auslegerbrücken

Auf dieser Seite finden Sie in unsortierter Reihenfolge kurze Berichte über Auslegerbrücken der ganzen Welt.
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 Bridge of Gods

Bridge of the Gods, Cascade Locks / USA

Die "Brücke der Götter" führt seit 1926 bei dem kleinen Städtchen Cascade Locks über den Colorado River und verbindet somit auch die beiden US-Bundesstaaten Oregon und Washington miteinander.

Die Bridge of the Gods ist eine der wenigen Stahlfachwerk-Auslegerbrücken, die für den Straßenverkehr gebaut wurde. Wegen ihres hohen Materialbedarfs in Kombination mit ihrer großen Tragfähigkeit und großen Spannweiten hatte man Auslegerbrücken fast immer für die Eisenbahn gebaut.

Die größte Spannweite des Mittelträgers beträgt 215 Meter, bei einer Gesamtlänge der Brücke von 566 Metern. Die verfügbare Höhe für die Schifffahrt beträgt bei normalem Wasserstand etwa 41 Meter.

Der Name der Brücke geht ursprünglich auf eine indianische Mythologie zurück, in deren Mittelpunkt ein Streit zwischen den beiden Söhnen des "Großen Geistes" steht. Wie nicht anders zu erwarten ging es bei dem Streit um eine schöne Frau...


 Viaduc de Viaur
 Viaduc de Viaur

Viaduc du Viaur, Tauriac-de-Naucelle / Frankreich

Der Viaduc de Viaur in Südfrankreich ist eine etwas ungewöhnliche Auslegerbrücke, weil sie keinen Einhängeträger (Gerberträgers) hat, und daher von den meisten Betrachtern für eine gewöhnliche Bogenbrücken gehalten wird.

Die genietete Stahlbrücke wurde zwischen 1896 und 1902 als Teil der Eisenbahnstrecke Carmaux-Rodez errichtet. Die Eisenbahngesllschaft hatte den Entwurf von Paul Joseph Bodin zunächst rundweg abgelehnt. Die anschließend vom zuständigen Ministerium eingesetzte Fachkommission verwarf aber alle anderen Vorschläge und entschied sich letztendlich doch zugunsten Bodins Entwurf.

Schon bei der Pariser Weltausstellung im Jahre 1889 (bei der Gustave Eiffel übrigens auch seinen Eiffelturm präsentierte) wurde ein Modell der Viaur-Brücke im Maßstab 1:50 vorgestellt. Bis zum Baubeginn sollten aber noch sechs Jahre vergehen.

Die beiden Ausleger wurden ohne Hilfsgerüste gleichzeitig im freien Vorbau errichtet, bis sie sich über dem Viaurtal trafen. Die beiden Kragarme stehen sich völlig unabhängig voneinander, mit einem Abstand von wenigen Zentimetern, gegenüber. Sie sind durch ein recht kleines, spezielles Gelenk miteinander verbunden, das auch eigentlich nicht zu erwartende Zugspannungen aufnehmen kann (siehe unteres Foto).

Würde es sich hier um eine echte Bogenbrücke handeln, wäre gerade diese Verbindung, die bei Steinbrücken durch den 'Schlussstein' gebildet wird, von zentraler Bedeutung für die Stabilität der Brücke.

Das Bauwerk hat eine freie Spannweite von 220 m und wird noch heute von leichten Schienenfahrzeugen benutzt.


 Eiserner Steg Frankfurt

Eiserner Steg, Frankfurt

Der "Eiserne Steg" ist Frankfurts wichtigste Fußgängerbrücke über den Main. Der ursprüngliche Steg wurde bereits 1869 aus vernieteten Eisenblechen hergestellt. Da sie von privater Seite finanziert und zunächst auch privat betrieben wurde, war ihre Benutzung die ersten 17 Jahre gebührenpflichtig.

In statischer Hinsicht ist der Eiserne Steg eine Auslegerbrücke. Seine Hauptspannweite beträgt 83 m. Die Gesamtlänge ist ca. 174 m und die Breite des Überbaus beträgt 5,44 m.

Obwohl er als Fußgängerbrücke nur von geringem strategischem Interesse war, wurde der Steg 1945 von der deutschen Wehrmacht auf dem Rückzug gesprengt. Nur ein Jahr später konnte er jedoch mit dem aus dem Main geborgenen Material wieder aufgebaut werden.

Wegen erheblicher Korrosionsschäden musste man die Konstruktion 1993 komplett erneuern. Dabei wurde ihr ursprüngliches Erscheinungsbild aber sorgfältig bewahrt.


 Lansdowne Bridge, Sukkur

Lansdowne Bridge, Sukkur / Pakistan

Diese Brücke über den Fluss Indus nannte Fritz Leonhardt einmal die "hässlichste Brücke der Welt". Das eigenwillige Bauwerk wurde von britischen Ingenieuren von 1887 - 1889, also zur gleichen Zeit wie die Firth of Forth Bridge in Schottland, errichtet. Zu dieser Zeit gehörte Sukkur zu Indien und war somit Teil der Kronkolonie Britisch-Indien. Der heutige Staat Pakistan entstand erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges.

Die klar strukturierte Fachwerk-Auslegerbrücke besteht aus bis zu 62 m langen Einzelträgern, die mit Hilfe von mächtigen Rückverankerungen die Kragarme halten. Der Gerberträger zwischen den Auslegern hat eine Länge von ca. 60 m.

Die Einzelteile der Brücke wurden in London bei Westwood, Baillie & Co hergestellt und auf dem Seeweg über das Arabische Meer und den Indus zur Baustelle transportiert. Die Spannweite des Hauptfeldes beträgt 241 m und ist damit deutlich kürzer als die der Firth of Forth Bridge.

Die ursprünglich für die indische Eisenbahn gebaute Brücke besteht noch heute, wird aber jetzt vom Straßenverkehr genutzt. Ebenfalls für den Kraftfahrzeugverkehr wurde 1962, nur wenige Meter stromabwärts, eine stählerne Bogenbrücke errichtet.


 Freiheitsbrücke Budapest

Freiheitsbrücke, Budapest / Ungarn

Bei der Donaubrücke aus dem Jahre 1896 handelt es sich in statischer Hinsicht um eine Auslegerbrücke mit Gerberträger. Ursprünglich hieß sie Franz-Joseph-Brücke, nach dem damaligen Kaiser Österreich-Ungarns. Die aus Stahl bestehende Brücke hat eine Gesamtlänge von 333 m und eine Hauptspannweite von 175 m.

Sie wird von allen Verkehrsarten genutzt: Straßenverker, S-Bahnlinie, Straßenbahn, Fußgänger und Radfahrer. Die Brücke stammt aus einer Zeit, in der man derartige Bauwerke gerne "verzierte". Eine gestalterische Besonderheit der Freiheitsbrücke sind die vier Vögel auf goldenen Kugeln, die auf den Portaltürmen sitzen.

Im Januar 1945 wurde die Brücke von deutschen Soldaten auf dem Rückzug gesprengt. Nur 19 Monate später konnte sie aber mit allen wesentlichen Originalteilen wieder aufgebaut und als erste der Donaubrücken wieder der Bevölkerung übergeben werden.


 Jacques Cartier Bridge, Montreal

Jacques Cartier Bridge, Montreal / Kanada

Diese insgesamt knapp 2,7 km lange Auslegerbrücke mit Gerberträger führt von Montreal über einen Arm des St.Lorenz-Stroms zur Ille Sainte-Helene.

Die Brücke wurde 1930 in Dienst gestellt. Ihr Überbau besteht aus genieteten Stahlblechen, während die Pfeiler aus Natur- und Ziegelsteinen gemauert wurden. Die Hauptspannweite über dem Fluß beträgt 334 m und die beiden Seitenspannen haben Längen von jeweils 128 m. Der Gerberträger ist 115 m lang.

Die Brücke dient ausschließlich dem Straßenverkehr. Ursprünglich war sie allerdings auch für Schienenfahrzeuge bestimmt und die Gleise wurden auch verlegt. Durch Planänderungen der Verkehrsbetriebe kam es aber nicht dazu und die Gleise wurden in den 1950er Jahren zugunsten des Kfz-Verkehrs entfernt.

Die Story Bridge im australischen Brisbane wurde der Jacques Cartier Brücke nachempfunden. Sie wirkt auf den ersten Blick praktisch identisch, hat aber eine deutlich geringere Spannweite.


 Howrah Bridge, Kalkutta

Howrah Bridge, Kalkutta / Indien

Die Howrah Brücke in Kalkutta ist eine der letzten großen Stahlauslegerbrücken und auch ein Symbol der zu Ende gehenden britischen Kolonialzeit in Indien.

Die im Februar 1943 eröffnete Brücke überspannt den Hoogly River zwischen Howrah (ca. 1 Mill. Einwohner) und Kalkutta (ca. 5 Mill. Einwohner). Sie ist komplett genietet und hat eine Gesamtlänge von 657 m bei einer Hauptspannweite von 457 m. Sehr schwierig waren die Gründungsarbeiten im ca. 30 m tiefen Schlick und Sand des Flußbetts.

Im Gegensatz zur 54 Jahre früher entstandenen Lansdowne Bridge kamen die meisten Stahlteile diesmal aus indischen Fabriken. Nur einige komplizierte Bauteile wurden per Schiff aus England importiert.

Die Brücke heißt heute offiziell "Rabindra Setu", nach Indiens erstem Nobelpreisträger für Literatur. Sie gilt als die verkehrsreichste Brücke der Welt. Neben unzähligen Autos, Lastwagen und Motorrollern wird die Howrah Bridge auch heute noch von einem endlosen Fußgängerstrom und häufig auch von Kühen und Eseln benutzt.