Bridge of Oich, Aberchalder / Schottland

Der "Great Glen" ist eine tektonische Verwerfung in den schottischen Highlands, die aus einer Folge von langgestreckten aber schmalen Seen besteht. Sie beginnt bei Inverness im Nordosten und zieht sich über eine Strecke von etwa 170 km bis zur Isle of Mull im Südwesten. Um die gesamte Strecke schiffbar zu machen, legte Thomas Telford zwischen 1803 und 1822 ein System von Kanälen und Schleusen an, das bis heute genutzt wird (Caledonian Canal).

An einem Nebenfluss des Kanals führt die abgebildete Brücke über den Oich River, den Verbindungsfluss zwischen Loch Ness und Loch Oich. Sie wurde 1854 von dem ehemaligen Bierbrauer James Dredge aus Bath (England) fertiggestellt. Dredge schulte zum Zivilingenieur um und baute im Laufe seines Lebens über 50 Brücken. Er befasste sich auch intensiv mit Hängesystemen und entwickelte einen speziellen Brückentyp, den er das "Taper Principle" nannte.

Die Bridge of Oich ist keine Hängebrücke im klassischen Sinne, sondern eher eine Schrägseilbrücke (oder genauer eine "Schrägkettenbrücke"), obwohl sie auch durchaus Elemente einer Hängebrücke aufweist. Wie bei allen Schrägseilbrücken kann jede Brückenhälfte auch alleine, ohne die gegenüber liegende Seite stehen, was bei einer Hängebrücke nicht möglich ist. Anders als bei normalen Schrägseilbrücken sind die schräg angeordneten Haltestangen aber nicht direkt mit dem Pylon verbunden, sondern an den oben liegenden Tragstangen befestigt.

James Dredge baute noch weitere Brücken nach seinem System, wie z.B. die Victoria Bridge in Bath (1836). Letztendlich konnte sich das Taper Principle aber nicht durchsetzen, weil es auch die jeweiligen Nachteile der Hänge- und Schrägseilbrücken aufeinander vereinte.