Viaduc du Viaur, Tauriac-de-Naucelle / Frankreich

Eine etwas ungewöhnliche Auslegerbrücke ohne Verwendung eines Einhängeträgers ist der Viaduc de Viaur in Südfrankreich, der auf den ersten Blick wie eine Bogenbrücke aussieht.

Die genietete Stahlbrücke wurde zwischen 1896 und 1902 als Teil der Eisenbahnstrecke Carmaux-Rodez errichtet. Die Eisenbahngesllschaft hatte den Entwurf von Paul Joseph Bodin zunächst rundweg abgelehnt. Die anschließend vom zuständigen Ministerium eingesetzte Fachkommission verwarf aber alle anderen Vorschläge und entschied sich letztendlich doch für Bodins Entwurf.

Auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1889, bei der Gustave Eiffel seinen Eiffelturm präsentierte, wurde bereits ein Modell der Viaur-Brücke im Maßstab 1:50 gezeigt, obwohl die Bauarbeiten erst sechs Jahre später begannen.

Die beiden Ausleger wurden ohne Hilfsgerüste gleichzeitig im freien Vorbau errichtet, bis sie sich 100 m über dem Viaurtal trafen. Die beiden Kragarme stehen sich völlig unabhängig voneinander, mit einem Abstand von wenigen Zentimetern gegenüber. Sie sind durch ein recht kleines, spezielles Gelenk miteinander verbunden, das auch unerwartete Zugspannungen aufnehmen kann (siehe unteres Foto).

Würde es sich hier um eine echte Bogenbrücke handeln, wäre gerade diese Verbindung, die bei Steinbrücken durch den 'Schlußstein' gebildet wird, von zentraler Bedeutung für die Stabilität der Brücke.

Das Bauwerk hat eine freie Spannweite von 220 m und wird noch heute von leichten Schienenfahrzeugen benutzt. Der Viaduc de Viaur ist heute die größte Stahlbrücke Frankreichs.